Statement

Statement

 

 

Wer als bildender Künstler nicht zur internationalen Kunstszene gehört oder nicht dazugehören will, autonom bleibt anstatt die Nachfrage bzw. die Erwartungen eines bestimmten Milieus zu bedienen, wird sich ein geeignetes Publikum über das Internet suchen müssen. Hinzu kommt, dass er sich dabei auf die Arbeiten beschränken muss, die sich digitalisieren lassen. 

 Beeinflusst bin ich von der europäischen Kunst des 20. Jahrhunderts und der nordamerikanischen Kunst seit den 50er Jahren. - Das Bild 'Badende mit Strandball (1932)' von Pablo Picasso aus seiner surrealistischen Periode gehört zu den Bildern von ihm, die mir besonders gefallen.

 Meine geistigen Inspirationen waren Samuel Beckett (Negativität), Theodor W. Adorno (Dialektik), Sigmund Freud und seine Schule (Tiefenpsychologie) sowie das utopische Moment bei John Cage.

 In der Musik habe ich den Zugang zu Gustav Mahler zuerst über seine Orchesterlieder gefunden, in denen sich viele der Themen finden, die in den Sinfonien wiederkehren.  Der erste Satz der 3. Sinfonie (mit Georg Solti) war dann das, was mich als nächstes besonders beeindruckt hat.  Meines Erachtens ist dies Mahlers bis dahin deutlichste Darstellung eines Verhängnisses, gegen das er gewissermaßen sein ganzes Leben lang ankomponiert hat.  Jeder Ton ist emotional nachvollziehbar.  Die Fremdheit des armen Juden aus der Provinz in einer unfreundlichen Welt wird musikalisch ausgebreitet.  -  Nachdem ich diese Sinfonie inzwischen aber auch von Leonard Bernstein gehört habe, bevorzuge ich letztere wegen ihrer Dichte und Geschlossenheit, vor allem aber auch wegen des Schlusssatzes.  Bernsteins unübersehbar 'uneuropäische' Gestik beim Dirigieren auf dem Video ist eine beeindruckende Visualisierung der Musik.  Man kann genau sehen, wie er selbst diese Musik erlebt.

 In Mahlers Musik ist stets ein Unheil gegenwärtig.  Man kann bei ihm durchaus eine Vorahnung des Holocaust wahrnehmen, wie dies später bei Franz Kafka noch deutlicher der Fall ist.

 Als Komponist von 'Schicksalsmusik' schließt Mahler an Franz Schubert an, wenngleich bei letzterem das zentrale Thema für mich ein anderes ist.  Es ist die unüberwindliche Trauer über den Verlust der Mutter, deren besonderer Liebling er unter ihren 20 Kindern war.  Man hört in seinen Kompositionen immer wieder den Versuch heraus, die Mutter noch einmal zum Leben zu erwecken, wobei der Abgrund des Verlustes sich darunter stets unweigerlich wieder öffnet und der Musik ein tragisches und verzweifeltes Moment verleiht.  Der langsame Satz des Streichquintetts ist ein besonderes Beispiel für eine Trauermusik zum Tod der Mutter.  Seine letzte Klaviersonate D 960 für einen Rekonstruktionsversuch der Symbiose mit der Mutter.

 Als seine Mutter starb, war Schubert fünfzehn Jahre alt.  Zu diesem Zeitpunkt muss für ihn festgestanden haben, dass er nicht imstande sein würde, in einem jungen Mädchen ein Liebesobjekt zu finden, das es ihm erlaubt hätte, sich aus der Mutterbindung zu lösen.

 Von Richard Wagners Lohengrin-Ouvertüre gibt es ein beeindruckendes Video mit Simon Rattle.  Nach meiner persönlichen Auffassung braucht man darüber hinaus von Wagner nichts zu kennen.

 Die Vier Letzten Lieder von Richard Strauss, und davon besonders das erste, haben etwas Außerordentliches.

 Bei Arnold Schönberg habe ich trotz dauernden Bemühens Schwierigkeiten, etwas zu finden, das ich lieben könnte.  Und entgegen seiner eigenen Vorhersage hat auch nach hundert Jahren ein breiteres Publikum nach wie vor nicht zu ihm gefunden.  Seine spröde Atonalität ist von Anfang an nicht zu Unrecht immer auch als eine mutwillige Attacke auf den Musikgeschmack seiner Zeit verstanden worden, eine Pose gewissermaßen, die man unangebracht oder übertrieben finden kann.  Meines Erachtens hätte seine Musik auch anders klingen können, so dass es für den Hörer einfacher gewesen wäre, bei ihr zu bleiben.  Seine Exklusivität ist ihm zum Verhängnis geworden.  Andere Komponisten nicht-tonaler Musik wie z.B. Pierre Boulez oder György Kurtag sind für mich zugänglicher.  Von Kurtag gibt es eine außerordentlich gute Vertonung von Samuel Becketts 'Endspiel', die weitaus besser ist als das entsprechende Theaterstück.  Sie dauert über zwei Stunden.

 Noch ein Hinweis auf das Adagio aus der 12. Klaviersonate von Norbert von Hannenheim in der Einspielung von Herbert Henck.  Hannenheim war als Schüler von Arnold Schönberg diesem gegenüber durchaus kritisch eingestellt.  Er war der einzige unter Schönbergs Schülern, der es gewagt hat, den Meister frontal anzugreifen und hat sich offenbar auf diesem Wege dessen Respekt erworben, was wiederum für Schönberg spricht.  In Hannenheims Musik gibt es eine Lebendigkeit und Anmut, die man bei seinem Lehrer nicht findet.

 Das 70 Min. lange Klavierstück 'For Bunita Marcus', gespielt von Aki Takahashi, gehört für mich zum Vollkommensten, was es von Morton Feldman gibt.  Feldman öffnet mit seiner Musik einen Raum, der einem gewissermaßen eine Zuflucht bietet, von dem man aber gleichzeitig immerfort auf Distanz gehalten wird, so dass man sich niemals beständig dort aufhalten kann.  Man muss sich damit zufrieden geben zu wissen, dass es diesen Raum gibt.

 Eine andere Einspielung dieses Klavierstücks mit der Pianistin Sabine Liebner, die einen deutlich anderen Anschlag hat und auch ein andres Klavier, ist m.E. genauso gut.

 Aki Takahashi ist übrigens ebenfalls eine wunderbar tiefsinnige und präzise Schubert-Interpretin, mit einem Vortrag frei von jeder Sentimentalität, was ungewöhnlich ist.  Das Rondo (4. Satz) der A-Dur Sonate (D 959) und die gesamte B-Dur Sonate (D 960) von Schubert sind beeindruckende Beispiele hierfür.

 Das Stück 'For Morty' (Morty = Morton Feldman) von Christian Wolff ist sehr frei und hat auf der CD '8 Duos' mit der Perkussionistin Robyn Schulkowsky einen frappierend klingenden Anfangsteil. 

 Alle hier aufgeführten Musikstücke kann man bei YouTube finden.

 

Was meine eigenen Arbeiten sind oder bedeuten, hoffe ich nicht erklären zu müssen. Ich bin auch nicht danach gefragt worden.

 Ich fange ohne feste Vorstellung von der fertigen Arbeit an, allein mit einer ersten Idee, welche eine vielversprechende Herangehensweise ermöglicht, bzw. eine interessante Versuchsanordnung darstellt. Die Erfordernissen der Sache stellen sich von alleine ein, sobald man einen ersten Schritt getan hat. Dabei versuche ich, meine persönlichen Vorlieben dem Projekt nicht in den Weg kommen zu lassen. Die Arbeit entwickelt sich dann nach ihrem eigenen Gesetz eher dahin, wohin sie von sich aus will als wie ich sie evtl. haben will, bis sich irgendwann eine Vorstellung von ihrem Endzustand einstellt. Am Schluss ist immer etwas entstanden, das nicht geplant war.

 Von Morton Feldman stammt der Satz, dass wenn man eine Arbeit nicht mit NICHTS anfängt, man bald Schwierigkeiten bekommen wird.

 Wenn kein kreativer Impuls da ist, hat es keinen Zweck, anfangen zu wollen.  Man kann sich dazu nicht zwingen, sondern es geschieht entweder von selbst oder gar nicht.

 Der Bauch ist kreativ und der Kopf kontrolliert, was entsteht und entscheidet, wie es weitergehen soll.

 Denken ist für mich ein wesentlicher Bestandteil der künstlerischen Arbeit. Es geht stets darum, jeden kritischen Einwand gelten zu lassen und immer um die Frage, wie es weitergehen kann.

 Zu meinen Texten kann ich vielleicht später etwas mehr sagen.  Hier nur so viel:  Sie sind grundsätzlich unfertig und werden vielleicht nie fertig werden.  Ich weiß nicht, was das ist, was ich da schreibe und kann es auch nicht erklären.  Ich stelle sie ziemlich früh in die Website und muss dann das Bewusstsein aushalten, dass sie von fremden, kritischen Augen gelesen werden.  Auf diese Weise setze ich mich ständig unter den Druck, sie verbessern zu müssen.

 

 Meine Fotos sind mit Kampaktkameras von Canon bzw. Lumix aus der Preisgruppe 300-500 Euro aufgenommen. Gegebenenfalls wurden sie mit Photoshop bearbeitet.

 Die Skulpturen sind aus dem Werkstoff Plastiform oder aus Gips.  Eine Skulptur ist aus Speckstein.

 Die Namen, die die Arbeiten haben, haben nichts zu bedeuten.  Sie sind nur da, weil es eben Bezeichnungen braucht. Teilweise sind diese gar nicht von mir. Einzig bei der Skulptur 'Mutter und Kind' hat der Name eine Bedeutung.

 »Commander Schmusezart« ist mein Künstlername. Er steht in Edwardian Script hinten auf meinem Auto. Er ist frei erfunden, man kann ihn komisch finden und er hat NICHTS zu bedeuten.